Forderungen an die Politik für den Gesundheits- und Pflegebereich!

Helga arbeitet im öffentlichen Pflegebereich und freut sich darüber, dass dank der Warnstreiks in der privaten Sozialwirtschaft (SWÖ) endlich wieder über die Zustände in der Sozialarbeit geredet wird. Sie wünscht sich eine Ausweitung des Diskurses auch auf die Pflegeberufe im öffentlichen Dienst.
24. Februar 2020 |

Ich bin eine Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin (DGKP) und arbeite seit über 20 Jahren in einem Pflegeheim. In der Politik wird momentan sehr viel über die Pflege und die Sozialarbeit gesprochen, darüber bin ich sehr dankbar! Mit der Diskussion über die Stundenreduzierung werden viele Missstände im Sozialwesen wieder einmal aufgezeigt und die Verantwortlichen vielleicht wachgerüttelt.

Ich bin überzeugt, dass die 35-Stunden-Woche ein Schritt zu einer deutlichen Verbesserung der Arbeitsbedingungen ist und gleichzeitig eine Anerkennung der schwierigen Arbeit bedeutet! Das Personal würde sich aufgrund der längeren Erholungszeiten glücklicher und gesünder fühlen. Krankenstände würden sinken, was sich wiederum positiv auf die Heimbewohner auswirken würde. Leider gilt diese Diskussion nur für privat geführte Einrichtungen. Für Pflegeberufe im öffentlichen Dienst, so wie in meinem Fall, gilt nach wie vor die 40-Stunden-Woche.

Um eine Reduzierung der Normalarbeitszeit umsetzen zu können, muss es mehr Personal geben. Doch woher nehmen? Ich habe während meiner beruflichen Laufbahn sehr viele Menschen kennen gelernt, die gerne in der Pflege arbeiten würden, sich aber die lange Ausbildungszeit nicht vorstellen können. Warum dürfen pflegende Angehörige zuhause alles machen, in einem Pflegeheim unter Aufsicht einer DGKP aber nicht tätig sein? In welchem Verhältnis steht die Ausbildung einer 24-Stunden-Betreuerin aus dem Ausland zur Ausbildung einer DGKP bzw. einer Pflegefachassistentin? Ist das gerechtfertigt???? Ich würde mir eine angepasste, verkürzte Ausbildung wünschen, um der prekären Situation des immer größer werdenden Personalmangels entgegenzuwirken.

Dies wäre eine Chance für Personen die das Herz auf der richtigen Stelle haben, sich aber eine 2- oder 3-jährige Ausbildung nicht leisten können bzw. die Zeit nicht mehr dafür aufwenden wollen.

Ich hätte noch viele Wünsche an die Politik, z.B. einen eigenen Kollektivvertrag für Pflegeberufe, meiner Meinung nach schon längst überfällig! Eine Anpassung des Mindestpflegepersonalschlüssels für Alten- und Pflegheime!!! Zu überdenken ist auch das Pensionsantrittsalter in der Pflege. Wenn ich mit 65 Jahren in die Pension gehen darf, bin ich womöglich selber ein Pflegefall.

Helga Ettinger

15.-17. Mai 2020: Antikapitalistischer Kongress  „Marx is Muss".
Programm | Sprecher_innen | Anmeldung | Facebook

Veranstaltungstipp:

 ■ Sonntag, 17. Mai, 11:30-12:45 Uhr: Streiks für 35-Stunden-Woche und Ausfinanzierung des Sozialbereiches
Mit: Karin Wilflingseder: Führendes Mitglied von Linkswende jetzt, Betriebsrätin im Verein StudentInnenkinder und Axel Magnus:  Betriebsrat von Sucht- und Drogenkoordination Wien (SDW), aktiv bei SozialdemokratInnen und GewerkschafterInnen gegen Notstandspolitik 
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