Zehnter Klimastreik in Wien: „Politiker sind Pfuscher!“

Bereits zum zehnten Mal protestierten am Freitag, den 22. Februar Schüler_innen am Wiener Heldenplatz lautstark gegen das Versagen in der Klimapolitik. Weltweit nehmen Schüler_innen ihre Zukunft selbst in die Hand und gehen für eine nachhaltige Gesellschaft auf die Straße.
22. Februar 2019 |

300 Schüler_innen beteiligten sich am 22. Februar erneut am Klimastreik von Fridays for Future am Wiener Heldenplatz. Sie waren sich einig: Der Schutz der Erde steht über Profit! Drei Schülerinnen erzählten Linkswende jetzt: „Die Politik soll aufhören, nur an die Wirtschaft zu denken! Irgendwann ist alles kaputt. Geld kann man nicht essen!“

Die Schüler_innen brachten wieder viele selbstgemalte Plakate und Schilder mit. Auf einem stand „Politiker sind Pfuscher“ geschrieben. In Anbetracht des offensichtlichen Versagens unserer Politiker, Lösungssätze für die Klimakrise zu finden, wollen die Schüler_innen ihre Zukunft jetzt selbst gestalten. Das Problem ist nicht, dass es keine Lösungsansätze für die Klimakrise gibt, sondern der politische Wille zur Umsetzung fehlt.

Zukunft selbst in die Hand nehmen

Einer der Anwesenden sagte: „Ich finde es irgendwie blöd, dass wir alle schon wissen, dass der Klimawandel existiert, auch wenn es einige bestreiten. Wir könnten etwas dagegen tun, aber niemand macht etwas!“ Elias richtete der Politik aus: „Hört ein bisschen mehr aufs Volk!“ Damit hat er Recht: Eine von der EU durchgeführte Studie hat gezeigt, dass zwei Drittel der Österreicher_innen den Klimawandel für ein ernstes Problem halten.

Viele Schüler_innen diskutieren innerhalb der Klasse über den Klimawandel. Manche Schulen und Lehrer_innen unterstützen sie dabei. Zwei Schülerinnen berichteten: „Im Englischunterricht reden wir ständig darüber. Und die Lehrer sagen immer, dass wir Kinder, unsere Generation, noch etwas verändern kann. Auch deshalb sind wir heute da.“

Beeindruckende Radikalität

Andere Schüler_innen müssen hingegen mit disziplinarische Konsequenzen rechnen. Asa und Ida zeigten sich widerständig: „Wir sind eigentlich eine Umweltschule und deshalb beschäftigen wir uns viel mit dem Thema. Aber unsere Lehrer sagen: Nein, geht da lieber nicht hin, der Unterricht ist wichtiger. Wir könnten Stress bekommen. Aber wir haben uns gedacht wir, gehen trotzdem hin. Auch wenn wir Ärger bekommen, ist es uns das wert!“

Von Woche zu Woche wachsen die Klimastreiks. Foto: Linkswende jetzt


Für einige ist die Änderung des eigenen Konsumverhaltens der nächstliegende Schritt, um etwas zu verbessern. „Wenn jeder etwas macht, wie das Licht abschalten oder Müll trennen, könnte sich auch etwas änder. So kann es jedenfalls nicht weitergehen“, meinten Asa und Ida. Doch vielen ist klar, dass ein nachhaltiger Konsum alleine nicht ausreichen wird. Eine Schülerin sagte: „Wir sind vor allem hier, um die Welt zu motivieren, aktiv zu werden.“

Jetzt oder nie

Es ist auch die Dringlichkeit, die die Schüler_innen auf die Straße treibt. Laut dem aktuellen Bericht der UN-Klimaexperten des Intergouvernmental Panel on Climate Change (IPCC) bleiben uns nur mehr 12 Jahre, um die globale Erwärmung unter 1,5°C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu halten.

Dieses Ziel wurde 2015 beim Pariser Klimaabkommen beschlossen. Für die Umweltschutzbewegung war das ein bedeutender Erfolg. Aber seither ist praktisch gar nichts passiert. Auch deshalb, weil das Abkommen nicht bindend ist und die Privatwirtschaft nicht in die Pflicht genommen wurde.

Warum wir alle Ökosozialisten werden müssen!

Warum wir alle Ökosozialisten werden müssen!

Weltweit planen Schüler_innen am 15. März einen groß angelegten Protest gegen den drohenden Ökozid. Weiters gehen am 5. April erneut tausende Menschen gegen die Zerstörung unseres Klimas auf die Straße. Wir dürfen unsere Zukunft nicht länger der politischen und wirtschaftlichen Elite überlassen, sondern müssen unser Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Redaktionelle Mitarbeit: David Reisinger