US-Präsident Trump hat groß angekündigte Strafzölle gegenüber China zurückgenommen und militärische Analysten warnen, dass in einer Schlacht um Taiwan, China in der Lage sei, die 7. US-Flotte in Japan komplett zu zerstören. Hat das chinesische Jahrhundert schon begonnen?
Noch im Mai 2024 haben die USA hinter vorgehaltener Hand darüber spekuliert, in einem Krieg um Taiwan strategische Nuklearwaffen einzusetzen, weil sie vor Ort nicht über ausreichende Truppen und militärische Mittel zu See verfügen, um China zu schlagen. Kaum ein Jahr nach den Beistandsbekundungen kam die komplette Kehrtwende in der US-Außenpolitik und die US-Regierung verweigerte Taiwans Präsidenten Lai Ching-te auf dem Weg nach Mittelamerika eine Zwischenlandung in New York.
Harmonische „G2“?
Was ist passiert? Kurz nach einem Gipfeltreffen Ende Oktober 2025 zwischen Chinas Präsidenten Xi und Trump verkündete Kriegsminister Pete Hegseth auf der Plattform X eine neue Ära, in welcher die „G2“ – China und USA – gemeinsam die Welt führen wollen. „Präsident Trump sagte, sein historisches G2-Treffen habe den Grundstein für dauerhaften Frieden und Erfolg für die USA und China gelegt. Das Kriegsministerium wird dasselbe tun – Frieden durch Stärke, gegenseitigen Respekt und positive Beziehungen.“
In der neuen US–Sicherheitsstrategie 2025, ein für die US-Außenpolitik tonangebendes Dokument, ist das Kapitel China sogar mit dem Titel versehen: „Die wirtschaftliche Zukunft gewinnen, militärische Konfrontationen verhindern!“ Das ist nicht irgendeine erratische Laune Trumps, die sich hier widerspiegelt, sondern ein Versuch mit der neuen Realität zurande zu kommen. China ist in wichtigen Bereichen am Wege zu militärischer Überlegenheit.
Bis vor kurzem gingen die US-Strategen davon aus, sie könnten China mittels militärischer Einschüchterung daran hindern, seine wirtschaftliche Macht auf den pazifischen Raum und darüber hinaus zu projizieren. Taiwan wäre in diesem Szenario der wahrscheinlichste Anlassfall gewesen, um in eine direkte militärische Konfrontation zu treten. Taiwan wird von China als chinesisches Territorium betrachtet, die Unabhängigkeit Taiwans war alleine durch westliche militärische Protektion ermöglicht und aufrecht erhalten worden.
Defensiver Imperialismus
Walden Bello, ein bedeutender philippinischer Soziologe, hat dieser neuen Wendung schon im Februar 2025 mit „Defensiver Imperialismus“ einen prägnanten Namen gegeben. Er argumentiert: „Trump bewegt sich weg von einer unbefristeten Verpflichtung, überall weltweit gegen Bedrohungen für das Kapital vorzugehen, hin zu einem selektiven Engagement oder einer Strategie der Einflusssphären, die ich auch als „defensiven Imperialismus“ bezeichnet habe.
Lateinamerika wird als Teil des Kerns des Imperiums der westlichen Hemisphäre betrachtet, und das sind definitiv schlechte Nachrichten für uns im globalen Süden. Aber lassen Sie uns fortfahren. Osteuropa wird als Einflussbereich Russlands angesehen, Westeuropa wird sich selbst überlassen, Washington setzt seinen Rückzug aus dem Nahen Osten fort, wobei die einzige Konstante seine Unterstützung für Israel ist, Afrika wird für die Interessen der USA noch marginaler, und Südasien wird höchstwahrscheinlich als Einflussbereich Chinas angesehen, trotz Trumps ideologischer Affinität zu Indiens Modi. Der asiatisch-pazifische Raum wird wahrscheinlich als Einflussbereich Chinas angesehen, sodass die Regierungen Südkoreas, Japans und der Philippinen zu Recht befürchten, dass Trump einen großen Deal mit China und Nordkorea anstrebt, der zu einer erheblichen Verringerung der militärischen und politischen Präsenz der USA in der Region führen könnte.“
EU düpiert vom Kurswechsel
Der deutsche Kanzler Merz zeigte sich am CSU-Parteitag, nach seinem Besuch in Washington, ernüchtert bis schockiert: „Die Jahrzehnte der Pax Americana sind für uns in Europa, und auch für uns in Deutschland, weitestgehend vorbei, es gibt es nicht mehr.“ Jetzt versucht die EU die Ukraine auf eine Fortsetzung des Kriegs einzuschwören. Sie will russische Vermögenswerte für die Ukraine verwenden oder zumindest blockieren und geht damit auf Konfrontationskurs mit den USA und Russland.
Den Steins ins Rollen gebracht hat letztendlich der Ukrainekrieg, ausgelöst durch den Expansionsdrang der NATO, droht sie jetzt daran zu zerbrechen. Das Kalkül, Russlands in der Ukraine zu binden, und gleichzeitig seine Wirtschaft zu strangulieren, so dass Russland China in einem großen Krieg mit dem Westen nicht mehr zur Seite stehen könnte, ist ganz offensichtlich gescheitert. China war in der Lage, die Folgen der Sanktionen abzufedern und Russlands Exporte aufzunehmen.
Modernere Waffensysteme
Ein wichtiger Aha-Moment für den Westen, war der jüngste Schlagabtausch in Kaschmir zwischen Indien und Pakistan im Mai 2025. Die Pakistanische Luftwaffe mit seinen Chengdu J-10C Kampfjets chinesischer Produktion waren den indischen Rafale aus französischer Produktion haushoch überlegen. Die indischen Jets wurden aus über 200 km Distanz abgeschossen, lange bevor sie selbst überhaupt ein Ziel erfassen hätten können. Damit wurde klar, China imitiert nicht mehr nur westliche oder russische Technologie, seine innovativen Waffensystem sind der Konkurrenz um zwei bis Generationen voraus.
Dann präsentierte China auf seiner großen Militärparade seine modernisierten Seestreitkräfte. Foreign Policy schrieb: „Zu den Höhepunkten gehörte die Ausstellung von Flugzeugen, die auf Chinas wachsender Flotte von Flugzeugträgern zum Einsatz kommen werden, die derzeit drei Schiffe umfasst, aber in den kommenden Jahren wahrscheinlich um mindestens einen atomgetriebenen Superträger erweitert wird. Vier neue Typen von „Loyal Wingman“-Drohnen wurden vorgestellt – getarnte unbemannte Flugzeuge, die neben bemannten Flugzeugen fliegen und von diesen gesteuert werden sollen. Außerdem wurden mindestens vier bisher unbekannte Schiffsabwehr- und Bodenangriffsraketensysteme sowie ein neues unbemanntes U-Boot und neue Torpedos vorgestellt.“ Und weiter: „Es reicht nicht mehr aus, zu sagen, dass Chinas Militär aufholt oder dass es ausländische Militärtechnik kopiert. China ist jetzt innovativ und nimmt eine Führungsrolle ein. Dabei verändert sich das regionale militärische Gleichgewicht, das jahrzehntelang zugunsten der Vereinigten Staaten und ihrer Partner bestanden hat, unwiderruflich.“
Die Strategiespiele der westlichen Militärs für den Fall eines Kriegs um Taiwan gehen immer gleich aus: Die USA würde in kürzester Zeit seine gesamte 7. Flotte verlieren. Die wenigen U-Boote, die eventuell entkommen könnten, würden von hunderten Unbemannten Unterwasserdrohnen (UUVs) gejagt und schließlich auch zerstört werden.
Präpotenz kommt vor dem Fall
Und der letzte Stein, der das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht hat, war der Handelskrieg, ausgelöst durch die feindliche Übernahme des chinesischen Chip-Herstellers Nexperia durch den holländischen Staat – im Auftrag der USA – bei dem die USA und die Niederlande klein beigeben mussten. Trump musste Strafzölle zurücknehmen und China lockerte sein Exportverbot seltener Erden, bei welchen es über 90% des weltweiten Bedarfs beherrscht. Damit ist Trump endgültig auf dem harten Boden der Realität aufgeschlagen.
Allerdings ist China, selbst in Kooperation mit Russland, Iran und Nordkorea nicht in der Lage und offenbar auch nicht willens den Westen in einem Weltkrieg herauszufordern. China hat, nach der Eröffnung einer Militärbasis in Dschibuti 2017, keine zweite Basis eröffnet, die USA verfügen über 128 Militärbasen in 51 Staaten weltweit. Und China hat keinen einzigen Langstreckenbomber, um etwa die USA anzugreifen.
Allerdings muss man skeptisch sein, was die neue Strategie der Zurückhaltung der USA betrifft. Wie der marxistische Theoretiker Alex Callinicos schreibt: Supermächte werfen nicht so einfach das Handtuch.