Am 17. Juli jährt sich der Beginn des Spanischen Bürgerkrieges zum 90. Mal. Die Arbeiter*innen erhoben sich gegen den Faschismus: es war ein entscheidender Moment für die Politik der 1930er Jahre, aus dem Sozialist*innen heute wichtige Lehren ziehen können.
Für Revolutionäre hat der Spanische Bürgerkrieg seit Jahrzehnten besondere Bedeutung. Er ist ein inspirierendes Beispiel für Heldenmut, Kreativität und Selbstorganisation der Arbeiterklasse. Alles war möglich. Als der englische Schriftsteller George Orwell im Dezember 1936 in Barcelona ankam, schrieb er:
„Es war das erste Mal, dass ich in einer Stadt war, in der die Arbeiterklasse das Sagen hatte. Praktisch jedes Gebäude von nennenswerter Größe war von den Arbeiter*innen besetzt und mit roten Fahnen oder den rot-schwarzen Fahnen der Anarchist*innen behängt; jede Wand war mit Hammer und Sichel sowie den Initialen der revolutionären Parteien beschmiert.“
Der Spanische Bürgerkrieg wird gewöhnlich als Kampf zwischen Faschismus auf der einen Seite und Demokratie auf der anderen dargestellt. Doch es handelte sich um eine Arbeiter*innenrevolution, und ihr Niedergang führte unmittelbar zur Zerschlagung der Republik und zu jahrzehntelanger faschistischer Herrschaft im spanischen Staat. Neunzig Jahre später stellen sich Fragen, die für unsere Bewegung nach wie vor von grundlegender Bedeutung sind: Wie lässt sich der Faschismus am besten bekämpfen? Wie sollten sich Revolutionäre im Kampf für den Sozialismus organisieren? Welche Programme sollten wir verfolgen? Mit wem sollten wir uns am besten verbünden? Wie ist unsere Haltung zum Staat?
Die antifaschistischen Kräfte vereinten liberale Republikaner*innen, regionale Nationalist*innen, Sozialdemokrat*innen, Kommunist*innen, revolutionäre Sozialist*innen und Anarchist*innen. Sie alle kämpften darum, ihren eigenen politischen, ideologischen und militärischen Einfluss zu vergrößern. Doch für welche Art von Demokratie kämpften die Menschen? Was für ein politisches Bündnis würde die Republik am besten voranbringen? Und welche Art von Armee war nötig, um den Krieg möglichst effektiv zu führen?
Die Weltwirtschaftskrise nach dem Börsencrash an der Wall Street im Jahr 1929 hatte zu einer Polarisierung in der Politik geführt. Beflügelt durch das Beispiel der Russischen Revolution hatten sich viele in der internationalen Arbeiter*innenbewegung nach links bewegt. Die herrschende Klasse versuchte verzweifelt ihre eigenen Interessen zu verteidigen und griff oft zu brutaler Unterdrückung.
Der Faschismus schien unaufhaltsam auf dem Vormarsch zu sein. In Deutschland hatte Europas best organisierte Arbeiter*innenbewegung ihre wichtigste Bewährungsprobe nicht bestanden. Anstatt zur Einheit der Arbeiter*innenklasse gegen den Faschismus aufzurufen, wie es der russische Revolutionär Leo Trotzki getan hatte, beschuldigte die Kommunistische Partei Deutschlands die Sozialdemokraten, „Sozialfaschisten“ zu sein, weil sie den Kapitalismus stützten. Die Arbeiter*innenbewegung war gespalten – mit katastrophalen Folgen.
Bündnisse
Mitte der 1930er Jahre, als sich der Zweite Weltkrieg abzeichnete, kehrten die von Moskau gelenkten kommunistischen Parteien diese Politik um. Nun strebten sie Bündnisse mit „fortschrittlichen Kapitalisten“ an, um ein Bollwerk gegen die Gefahr einer deutschen Invasion zu errichten. Der russische Diktator Stalin war verzweifelt bestrebt, sich mit kapitalistischen Imperialmächten, insbesondere Großbritannien und Frankreich, zu verbünden. Die kommunistischen Parteien wurden dazu angehalten, Bündnisse nicht nur mit Sozialdemokraten, sondern auch mit anderen bürgerlichen Parteien, die sich dem Faschismus widersetzten, einzugehen. So wollte man demonstrieren, dass die Kommunisten vertrauenswürdig seien und keine Gefahr für das Kapital darstellten. Vielen erschien diese Idee der Volksfront zunächst sinnvoll, doch in der Praxis bedeutete die Aufrechterhaltung der Einheit, dass die Interessen der Arbeiterklasse in den Hintergrund traten.
Im Jahr 1936 war die spanische Republik erst fünf Jahre alt, und seit der Abdankung des Königs hatte die Macht zwischen der Rechten und der Linken hin und her changiert. Spanien war wirtschaftlich rückständig – der industrielle Kapitalismus hatte sich hauptsächlich in einigen wenigen Städten entwickelt – und die bürgerlich-demokratische Revolution stand auf schwachen Füßen. Das Großkapital, die Kirche, die Armee und die Großgrundbesitzer blickten mit Angst und Verachtung auf die Forderungen der Arbeiter nach Rechten und sozialen Reformen.
Nach „zwei dunklen Jahren“ der Unterdrückung wurde im Februar die Volksfrontregierung gewählt. Die reformistische Sozialistische Partei war ein wesentlicher Bestandteil dieser Regierung. Ihre Machtbasis bildete die von ihr gegründete Gewerkschaft, die gemäßigte Allgemeine Arbeiterunion (UGT), die bis zu 1,5 Millionen Mitglieder zählte. Einer ihrer Führer, Largo Caballero, war als der „spanische Lenin“ bekannt.
Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Volksfront von republikanischen Parteien bürgerlicher Prägung dominiert wurde. Frühere republikanische Regierungen hatten einige moderate Landreformen durchgeführt und Zugeständnisse an die regionalistischen Bestrebungen Kataloniens gemacht, nicht jedoch an die des Baskenlandes. Letztendlich war es ihr Ziel, den spanischen Kapitalismus zu stärken.
Dennoch feierten die Arbeiter*innen den Sieg der Volksfront, stellten sofort Forderungen nach Reformen und organisierten Streiks. Nachdem sie monatelang Pläne geschmiedet hatten, traten Teile der herrschenden Klasse nun entschlossen in Aktion. Als die Armee meuterte, rechnete ihre Führung mit einem schnellen Sieg über einen schwachen Gegner. In den meisten größeren Städten kam es zu Aufständen der Garnisonen. Faschistische Führungskräfte erklärten, dass ihre erste Aufgabe die Zerschlagung der Arbeiterbewegung sei, und drohten mit der Hinrichtung von Streikenden. Ihre Methoden waren brutal, was sich unter anderem darin zeigte, dass sie Vergewaltigung als Kriegswaffe einsetzten.
An die Spitze der Faschisten trat General Francisco Franco, der Kommandeur der in Marokko stationierten spanischen Afrika-Armee. In den ersten Tagen des Krieges, als die Regierung handlungsunfähig war, überzeugte Franco Hitler und Mussolini, ihm Flugzeuge zur Verfügung zu stellen, um seine Truppen per Luftbrücke nach Spanien zu verlegen.
Kontrolle
Franco hatte nicht mit einem spontanen, revolutionären und antifaschistischen Aufstand gerechnet. Als die Regierung sich weigerte, Waffen auszugeben, riefen die Gewerkschaften einen Generalstreik aus, und Arbeiter*innen stürmten Militärkasernen, um sich zu bewaffnen. Sie bildeten antifaschistische Komitees und organisierten Milizen, denen es gelang, die Armee zurückzuschlagen, dabei übernahmen sie die Kontrolle über mehrere Großstädte.
Die hastig organisierten freiwilligen Milizeinheiten beschlagnahmten Lastwägen und verließen die Städte, um den Vormarsch der Rebellen zu verhindern. Auf dem Höhepunkt des Konflikts gab es Schätzungen zufolge 25.000 Milizkämpfer an der Front in Aragon und insgesamt vielleicht 150.000.
In dem politischen Vakuum organisierten die Arbeiter*innenkomitees der Stadtviertel die Gesundheitsversorgung, die Lebensmittelversorgung, den Transport und die öffentliche Sicherheit. In den von ihnen kontrollierten Gebieten übernahmen die Arbeiter*innen die Fabriken und einen Großteil des Landes. In Barcelona beispielsweise wurden 80 Prozent der Industrie kollektiviert, und im Osten Aragoniens entstanden bis zu 400 landwirtschaftliche Kollektive.
In einem Staat, der zuvor von der repressiven katholischen Kirche beherrscht worden war, erlangten Frauen neue Freiheiten. Oftmals traten sie zum ersten Mal ins Berufsleben ein, wenn auch nicht mit gleicher Bezahlung wie ihre männlichen Kollegen. Frauen beteiligten sich nun aktiv an der Politik, indem sie sich Arbeitsgenossenschaften, antifaschistischen Komitees und bewaffneten Milizen anschlossen. Sie kämpften an der Front an der Seite ihrer männlichen Genossen. Zu den weiteren Errungenschaften gehörten Aufklärung über Geburtenkontrolle und eine eingeschränkte Legalisierung von Abtreibungen; Eheschließungen fanden in den Hauptquartieren der Milizen statt, und in Lebensgemeinschaften lebende Paare erhielten rechtliche Ansprüche.
Die wichtigste Organisation, die die Revolution vorantrieb, war der Nationale Arbeiterverband (CNT). Die anarchosyndikalistische Gewerkschaft war seit dem 19. Jahrhundert tief in der Arbeiter*innenklasse verwurzelt, insbesondere in Barcelona, wo sie die Politik der Linken dominierte. Bei Ausbruch des Krieges zählte sie etwa 1 Million Mitglieder.
In Barcelona traf sich Lluís Companys, der Chef der katalanischen Regionalregierung, weniger als eine Woche nach dem versuchten Militärputsch mit den Führern der CNT. Er sagte zu ihnen: „Heute seid ihr die Herren der Stadt und Kataloniens … Ihr habt gesiegt, und alles liegt in eurer Hand; wenn ihr mich als Präsidenten Kataloniens nicht braucht oder nicht wollt, sagt es mir jetzt.“
Debatte
Das Regionalkomitee der CNT beriet daraufhin darüber, ob es die Macht übernehmen solle. Sie stimmten dagegen, mit nur einer Gegenstimme. Ihrer Meinung nach hätte eine Machtübernahme bedeutet, eine Form der Diktatur durch eine andere zu ersetzen, und sie seien nicht bereit, diktatorische Befugnisse zu übernehmen. Trotzkis Urteil fiel vernichtend aus:
„Diese Rechtfertigung ist in sich selbst … eine unwiderrufliche Verurteilung des Anarchismus als eine durch und durch antirevolutionäre Doktrin. Auf die Machtübernahme zu verzichten bedeutet, die Macht freiwillig denen zu überlassen, die sie ausüben: den Ausbeutern. Das Wesen jeder Revolution bestand und besteht darin, eine neue Klasse an die Macht zu bringen und ihr so zu ermöglichen, ihr eigenes Programm im Leben zu verwirklichen. Es ist unmöglich, Krieg zu führen und den Sieg abzulehnen.“
Die andere wichtige revolutionäre Gruppe war die Arbeiterpartei der marxistischen Vereinigung (POUM), eine kleine, erst kürzlich gegründete revolutionäre sozialistische Partei. An ihrer Spitze stand Andreu Nin, ein ehemaliger Lehrer und Journalist sowie Mitglied der Kommunistischen Partei (KP), der als Anhänger der Linken Opposition gegen Stalin aus Russland ausgewiesen worden war.
Sie plädierten für den Aufbau einer alternativen revolutionären Macht auf Grundlage der Arbeiter- und Bauernkomitees sowie der Kämpferkomitees und für die Bildung einer Roten Armee nach dem Vorbild jener, die Trotzki bei der Verteidigung der Russischen Revolution angeführt hatte. Doch die POUM, mit etwa 3.000 bis 5.000 Aktivisten, war zu klein, um sich durchzusetzen, und schloss sich aus Angst vor Isolation schließlich der CNT an.
Die KP blieb bis zum Ausbruch des Krieges mit 20.000 bis 30.000 Mitgliedern relativ klein, vor allem aufgrund ihrer sektiererischen Politik. Nun argumentierte die KP, dass die Revolution ein Ablenkungsmanöver sei und nur eine Strategie der Volksfront zum Erfolg führen könne. Radikale Aktionen würden nur die Gemäßigten, die Mittelschicht und die Wirtschaft verprellen, die man unbedingt davon abhalten müsse, auf die Seite der Faschisten überzulaufen. Ein Funktionär der KP schrieb, dass Vergesellschaftung und Kollektivierung „nicht nur unerwünscht, sondern absolut unzulässig“ seien.
Um der Revolution den Wind aus den Segeln zu nehmen, versuchte die republikanische Regierung, die antifaschistischen Kräfte zu zentralisieren. Im September erklärten sich die anarchistischen Kräfte bereit, das kurzlebige Komitee der Antifaschistischen Miliz, das sie dominierten, aufzulösen und die Revolution über die katalanische Regierung zu zentralisieren, der sie als Minister beitraten. Im November traten sie schließlich der spanischen republikanischen Regierung bei.
Waffen
Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Portugal und Russland unterzeichneten im August ein Nicht-Interventionsabkommen, das von den USA unterstützt wurde. Sie vereinbarten, keine Waffen oder Truppen an eine der beiden Seiten zu liefern. Deutschland und Italien setzten sich sofort über das Abkommen hinweg, indem sie Waffen, Flugzeuge und Tausende von Soldaten entsandten, um die faschistische Seite zu stärken. Gleichzeitig wurde die Republik von den westlichen Demokratien im Stich gelassen und erhielt keine Waffen.
Russland war das einzige Land, das die Republik mit Waffen versorgte, wobei die Goldreserven der Republik als Sicherheit dienten. Die Kontrolle über die Verteilung dieser Waffen verstärkte den Einfluss der Kommunistischen Partei in den republikanischen Gebieten erheblich.
Orwell schrieb, dass die Infanterie über „abgenutzte Mauser-Gewehre verfügte, die sich in der Regel nach fünf Schüssen verklemmen; etwa ein Maschinengewehr pro 50 Mann und eine Pistole oder einen Revolver pro etwa 30 Mann. Diese Waffen, die im Grabenkrieg so unverzichtbar waren, wurden von der Regierung nicht ausgegeben … Eine Regierung, die 15-jährige Jungen mit 40 Jahre alten Gewehren an die Front schickt und ihre stärksten Männer sowie ihre neuesten Waffen im Hinterland zurückhält, hat offensichtlich mehr Angst vor der Revolution als die Faschisten.“
Nach sechs Tagen Straßenkämpfen zwischen der KP und den anderen Linken überzeugte die CNT ihre Mitglieder, ihre Waffen abzugeben, aus Angst, die antifaschistische Einheit zu untergraben. Die „trotzkistisch-faschistische POUM“ wurde verboten, und Nin wurde zusammen mit Dutzenden seiner Genoss*innen gefoltert und anschließend ermordet. Hunderte weitere füllten die republikanischen Gefängnisse. Viele Errungenschaften der Revolution wurden rückgängig gemacht. Kollektivierte Landgüter und Fabriken unter Arbeiterkontrolle wurden an private Eigentümer zurückgegeben oder vom Staat übernommen, und die Kirchen wurden wieder geöffnet.
War ein Sieg für die Antifaschist*innen also jemals möglich? Trotzki schrieb damals: „Ein Bürgerkrieg wird, wie jeder weiß, nicht nur mit militärischen, sondern auch mit politischen Waffen geführt … Um dies zu erreichen, ist es lediglich notwendig, das Programm der Revolution voranzutreiben.“
Franco kontrollierte etwa 50 Prozent des Landes. Ein revolutionärer Krieg hätte ein Programm zur Umverteilung des Grundbesitzes beinhalten können, um die Bauern für sich zu gewinnen. Ebenso hätten Zusagen zur regionalen Unabhängigkeit für Katalonien und das Baskenland die Loyalität schwankender Anhänger in diesen Gebieten sichern können.
Eine wichtige Maßnahme wäre gewesen, Marokko, das Franco als Operationsbasis nutzte, die Unabhängigkeit zu gewähren. Dies wurde jedoch aus Angst vor einer Beunruhigung der imperialen Mächte verworfen, insbesondere Frankreichs, in dessen Einflussbereich das benachbarte Algerien fiel.
Die Belagerung von Madrid war der einzige Zeitpunkt, an dem die Kommunisten revolutionäre Methoden wie Massenmobilisierung und flexible Taktiken wie den Guerillakrieg einsetzten. Nachbarschaftskomitees organisierten gemeinsame Mahlzeiten, Wäscheservice und Kinderbetreuung. Auch revolutionäre Propaganda kam zum Einsatz, und sie riefen Parolen wie „No pasaran!“ oder „Sie werden nicht durchkommen!“
Bedrohung
Es gab noch andere verpasste Chancen. Die Matrosen hatten die Marine rasch unter republikanische Kontrolle gebracht, doch die Regierung weigerte sich, sie einzusetzen, da sie befürchtete, westliche Regierungen könnten dies als Bedrohung für ihre Interessen im Mittelmeerraum ansehen.
Drei Kriegsjahre brachten ein Blutbad mit rund 100.000 Hinrichtungen durch die Faschisten und eine Nachkriegsrepression mit sich, die Zehntausenden weiteren Menschen das Leben kostete. Weitere 200.000 starben in den ersten Jahren nach dem Krieg an Hunger und Krankheiten. Rund eine halbe Million Flüchtlinge flohen nach Frankreich und wurden dort unter schrecklichen Bedingungen interniert. Es folgten 36 Jahre faschistischer Herrschaft. Die Kirche gewann ihre frühere Macht zurück, und die Frauen wurden zurück an den Herd gedrängt und ihrer neu gewonnenen Freiheiten beraubt.
Die Weigerung der republikanischen Regierung, alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, führte zu einer schrecklichen Niederlage für die Arbeiter*innenklasse. Diese wurde durch die konterrevolutionären Aktionen der KP, den ideologischen Unzulänglichkeiten der Anarchisten und der mangelnden Schlagkraft der revolutionären Sozialisten besiegelt.
Übersetzt aus dem Englischen von Lisa Hasenbichler. Ursprünglich erschienen im Socialist Worker.
