Claudette Colvin

Claudette Colvin spricht anlässlich des Frauen Geschichte Monats bei einer Veranstaltung im März 2014. © Wikimedia Commons, “FanSmiles”

Neun Monate vor Rosa Parks weigerte sich die damals 15-Jährige Claudette Colvin, ihren Sitzplatz im Bus für eine weiße Frau aufzugeben. Sie wurde von der Polizei verhaftet und zog daraufhin sogar vor Gericht. Weil sie schwanger war, wurde ihr Fall von der schwarzen Bürgerrechtsbewegung bewusst klein gehalten – man betrachtete sie als „schlechtes Vorbild“ für die Bewegung.

Am 2. März 1955 kam es in einem Bus in Montgomery zu einem eklatanten Vorfall. Claudette Colvin widersetzte sich gegen die rassistischen Gesetze, die Schwarze entmenschlichen und aus dem öffentlichen Raum verdrängen sollten. „Ich war damals noch ein Teenager, und wir hatten in der Schule gerade etwas über Harriet Tubman und Sojourner Truth gelernt“, erklärte Colvin viele Jahre später in einem Interview. Weiter:„Als eine weiße Frau in den Bus stieg und der Fahrer mich aufforderte, aufzustehen, damit sie sich setzen konnte, hatte ich das Gefühl, dass diese Frauen mir beide eine Hand auf die Schultern legten und mich nach unten drückten. Die Geschichte fesselte mich an meinen Sitz.“Einen Tag zuvor hatte sie in der Schule einen Aufsatz verfasst, in dem es darum ging, dass es Schwarzen verboten war, die Umkleidekabinen in Geschäften zu benutzen. Ihr Akt war bewusst, todesmutig, und zog sofort die Repressalien der Staatsgewalt auf sich. Noch am selben Tag landete sie als die erste Person in Montgomery, die wegen Missachtung der Bussegregation festgenommen wurde, im Gefängnis.

Rassismus – DNA der USA

Die Rassentrennung in den USA wurden damals durch die Jim-Crow-Gesetze reguliert, die die schwarze Bevölkerung in Restaurants, Schulen und öffentlichen Verkehrsmitteln von Weißen trennte. In Bussen waren die vorderen Plätze weißen Personen vorbehalten, während Schwarze, hinten im Bus, stehen oder sitzen mussten. Die mittleren Plätze durften nur so lange von schwarzen Personen benutzt werden, bis eine weiße Person zustieg und den Platz einforderte. Bis heute ist die amerikanische Gesellschaft strukturiert durch eine Kultur der weißen Vorherrschaft, die national, sowie international Millionen an Todesopfern fordert.

Kein Rückhalt aus den eigenen Reihen

Nach ihrer Freilassung verlor Colvin viele ihrer Freundinnen, da man sie als „Unruhestifterin“ betrachtete. Als sie dann noch dazu unehelich schwanger wurde, wurde sie auch innerhalb der Bewegung an den Rand gedrängt, da man ihr moralische Vorwürfe machte und befürchtete, sie könnte ein schlechtes Licht auf die Bürgerrechtsbewegung werden. Rosa Parks erschien den Führungsfiguren als die strategisch klügere Wahl: Als Näherin verfügte sie über enge Kontakte zu weißen, einflussreichen Kund*innen – eine Ressource, die man gezielt nutzen wollte. So wurde Parks, statt Colvin, zum Gesicht der Bewegung. Dennoch pflegten die beiden ein gutes Verhältnis und kämpften künftig Seite an Seite.

Teenagerin schreibt Geschichte

Gemeinsam mit drei weiteren Frauen sagte Colvin im Mai 1956 im Fall Browder v. Gayle aus – der oberste Gerichtshof musste den Klägerinnen im Urteil Recht geben, dass die Segregation in öffentlichen Verkehrsmitteln verfassungsfeindlich war. Dennoch wurde Colvin zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, die erst Ende 2021 aus dem Strafregister gelöscht wurde. Colvin verstarb im Jänner 2026, im Alter von 86 Jahren. Ihre Botschaft, auf die sie bis zuletzt beharrte, lautete: „Habt keine Angst aufzustehen und für das Richtige zu kämpfen. Je mehr wir sind, desto mächtiger sind wir.“