Breaking Our Chains: Sexismus zerschlagen

Breaking our Chains © SWP

Erst kürzlich erschien das neue Buch „Breaking Our Chains – Women, Marxism and the Path to Liberation“ (deutsch: Unsere Ketten sprengen – Frauen, Marxismus und der Weg zur Befreiung) von Sarah Bates, Judy Cox und Sally Campbell. Katie Coles sprach für die Zeitschrift „Socialist Worker“ mit Sarah Bates und Judy Cox darüber. Wir bringen eine übersetzte Kurzfassung des Interviews.

Könnt ihr die Relevanz der marxistischen Theorie von der Unterdrückung der Frau für das Verständnis des Epstein-Skandals darlegen?

Sarah: Epsteins Netzwerk war die weltweit größte Grooming-Bande – gut finanziert und geschützt. Wir wussten, wie reiche, mächtige Männer über Frauen und Mädchen denken; wir wussten es, aber jetzt ist es öffentlich bekannt. Der Skandal wirft ein Licht darauf, wie sie sich verhalten, wenn sie unter sich sind. Aber das ist das System. Jahrzehntelang ging das so und kam nur dank des Mutes der Überlebenden ans Licht…

Im modernen Kapitalismus ist die Kernfamilie ein Widerspruch in sich. Es gibt zutiefst reaktionäre Individuen, die die traditionelle Familie stärken wollen, aber gleichzeitig glauben, dass Frauen und Mädchen dazu da sind, gekauft und verkauft, benutzt und weggeworfen zu werden.

Judy: Vergessen wir ebenfalls nicht: Epstein freute sich, als der Faschist Tommy Robinson 2018 aus dem Gefängnis entlassen wurde. Elon Musk, ein enger Freund von Robinson und Nigel Farage, versuchte, eine Einladung zu Epsteins Partys zu ergattern. Und Donald Trump ist aus dem gleichen schäbigen, sexistischen Holz geschnitzt wie Epstein. Die extreme Rechte steckt bis zum Hals in Epsteins abscheulichen Missbrauchsfällen.

Wie geht das Buch auf die Herausforderung ein, die der Aufstieg der extremen Rechten und deren Rückgriff auf traditionelle Geschlechterrollen darstellt?

Judy: Die extreme Rechte ist eine Gefahr für alle Frauen. Nigel Farage will die Abtreibungsrechte für Frauen hier einschränken. Matt Goodwin von Reform UK will kinderlose Frauen besteuern. Es geht um die Verschwörungslüge vom „Großen Austausch“ – Migrant*innen werden zum Sündenbock gemacht und weiße Frauen sollen mehr Kinder bekommen, um den Arbeitskräftemangel zu beheben. Extreme Rechte geben sich als Beschützer der Frauen aus. In Wahrheit wollen sie Frauen nur kontrollieren…

Von den Gaza-Protesten bis zu jenen in Minneapolis, überall führen Frauen den Widerstand an. Was ist der beste Weg, um gegen das kapitalistische System zu gewinnen?

Judy: Ja, die unglaublichen Gaza-Proteste wurden größtenteils von jungen Frauen angeführt und organisiert. Frauen spielen eine zentrale Rolle bei der Organisation des Widerstands gegen Trump und ICE. Die Leute waren zu Recht sehr begeistert, als sich die Gewerkschaften im Jänner am „Minneapolis Black Out Day“ beteiligten, denn wir müssen uns darüber klar werden, wo unsere Macht liegt. Es kann nicht nur darum gehen, Geschäfte für einen Tag zu schließen – es muss darum gehen, Städte unregierbar zu machen und den Profit zu unterbinden, von dem die Bosse abhängig sind.

Sarah: Zunächst einmal muss man sich mit allen Mitteln gegen den Imperialismus und den immer fester werdenden Griff von reaktionären und bigotten Regimen wie dem von Trump wehren. In Minneapolis bedeutet das heute, die von ICE abgefeuerten Tränengasgranaten zurückzuwerfen, Kontrollpunkte gegen ICE-Agenten einzurichten und all die großartige Arbeit der Community-Organisation, die dort stattfindet.

Aber wir wollen nicht immer nur auf die gewalttätigsten Ausprägungen eines gewalttätigen und schmerzhaften Systems reagieren – wir wollen die systemische Unterdrückung grundlegend in Frage stellen. Dazu gehört, dass wir uns nicht nur organisieren, wenn wir heute angegriffen werden, sondern auch für morgen…

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Wenn ihr nach diesem Einblick Lust auf mehr habt: Mitautorin des Buches, Sally Campbell, spricht am 30. Mai 2026 auf unserem „Marx Is Muss“ Kongress zum Thema „Marxismus und Identitätspolitik“.