Trotz des massiven Kräfteungleichgewichts zwischen Iran und seinen Angreifern geht der Krieg für die USA und Israel ganz klar nach hinten los. Die Bombardierung von über 15.000 Zielen im Iran, die Ermordung zahlreicher Führungsfiguren, die Schläge gegen überlebensnotwendige Entsalzungsanlagen, sie haben damit nichts erreicht. Irans Fähigkeiten, seine Gegner schmerzhaft zu treffen, lassen nicht nach.
Der Krieg läuft ganz und gar nicht nach Plan und wird zu einem Desaster – nicht nur für Trump, sondern für das gesamte von den USA angeführte System. DIe beiden größten Schurkenstaaten der Welt, USA und Israel, stehen blöd da, die ganze Verkommenheit des Westens wird dadurch entblößt. Unsere Herrscher behaupten, über ein System zu regieren, das für Recht und Ordnung steht. Nur, dass keiner von ihnen es für angebracht hält, oder den Mut findet, auszusprechen, dass dieser Krieg ein Verbrechen darstellt. Und nicht nur das, die Konzerne, denen die Aufgabe überlassen wurde, uns mit Energie zu versorgen, erhöhen nicht nur die Energiepreise, sondern auch noch gleichzeitig ihre Gewinnspannen. Wir steuern wegen des Kriegs noch schneller auf den Klimakollaps zu und uns erwartet eine brutale Wirtschaftskrise, die die Kluft zwischen Arm und Reich noch stärker ausweiten wird. Wie bezeichnend, dass sich unsere Eliten mehr über die Gegenwehr Irans empören als über die vielen zivilen Toten und die Raketen auf eine Mädchenschule in Minab.
Falsche und verhaltene Kritik
In keiner UN- Charta gibt es einen Passus, der besagt, dass das Ziel die Mittel rechtfertigen würde, aber ständig wird uns vermittelt, dass der Krieg in Ordnung wäre, hätte er die formulierten Ziele erreicht – einen Regimewechsel in Iran. Wenn Kritik geäußert wird, dann weil Iran sich erfolgreich wehrt und tut, was ein angegriffenes Land eben tut, nämlich den Gegner ebenfalls zu schwächen. Die Medien schreiben darüber, dass die USA und Israel vorwiegend militärische Ziele angreifen, aber das ist keine ethische Außenpolitik. Man nennt das „Krieg führen“. Dabei kommen Zivilisten ums Leben. Es ist immer noch illegal und führt zu Vergeltungsmaßnahmen.
Atomare Bedrohung durch Israel
Gerne wird verständnisvoll die Sorge zitiert, Iran hätte eine atomare Bedrohung werden können, aber, wenn man über die nukleare Bedrohung im Nahen Osten spricht, sollte man wohl erwähnen, dass Israel das einzige Land in der Region ist, das über Atomwaffen verfügt. Israel will das nicht zugeben, aber nicht alles, was Israel sagt, ist wahr. Es wäre auch für europäische Politiker und Medien angebracht, den Angriff auf Iran in einen Zusammenhang mit dem fortgesetzten Genozid an der arabischen Bevölkerung Palästinas und dem ebenfalls völkerrechtswidrigen Überfall auf den Libanon zu stellen, um Israel ins rechte Licht zu rücken. Es ist ein verbrecherischer Kolonialstaat, der als Kettenhund der USA deren Interessen in der Region vertritt. Da Israel in der Zwischenzeit allerdings eine eigenständige Wirtschaft entwickelt hat, lässt es sich nicht mehr an so kurzen Ketten halten wie noch vor zwei Jahrzehnten.
Unprovozierter Krieg
Die USA und Israel haben am 28. Februar ohne irgendeine akute Bedrohung durch Iran losgeschlagen und damit ganz klaren Völkerrechtsbruch begangen. Außerdem starteten die Angriffe, während Verhandlungen am Laufen waren und nachdem Iran weitgehende Zugeständnisse in den Verhandlungen über das Atomprogramm gemacht hatte. Es ist somit sogar nach den Maßstäben des Westens ein illegaler Krieg. Nach unseren sozialistischen Maßstäben ist es zweifellos ein krimineller imperialistischer Krieg, dazu gedacht, Macht zu demonstrieren, einen Gegner zu schwächen, und potenzielle Gegner wie China einzuschüchtern. Nichts davon wird dieser Feldzug erreichen.
Imperialistische Logik
Die USA wollen mit diesem Krieg eine alte Rechnung begleichen. Es ist ein Versuch, einen wichtigen imperialistischen Stützpunkt wiederherzustellen, nachdem dieser durch die iranische Revolution 1979 verloren gegangen war. Nach dem Sturz Mossadeghs (siehe Artikel Seite 46) war Iran zusammen mit Ägypten und Israel der wichtigste Außenposten der USA in der Region, außerdem einer der größten Erdölproduzenten der Welt. Trump hat die Intentionen der USA ganz klar geäußert. Seine Vorgänger hatten denselben Wunsch, allerdings auch ein Ohr für Militärstrategen. US-Außenminister Marco Rubio gab recht offen zu, dass sich Trumps Kabinett von Netanjahu über den Tisch ziehen ließ: „Wir wussten, dass es zu einer israelischen Aktion kommen würde. Wir wussten, dass dies einen Angriff auf amerikanische Streitkräfte nach sich ziehen würde. Wir wussten, dass wir höhere Verluste erleiden würden, wenn wir nicht präventiv gegen sie vorgehen würden, bevor sie diese Angriffe starteten.“ Offensichtlich spielte also der Fanatismus des Trump-Teams bei diesem Krieg eine Rolle. Die meisten US-Militärstrategen hätten wegen der Gefahr einer Sperre der Straße von Hormus von diesem Angriff abgeraten. Iran bereitet sich seit der Invasion durch den Irak im Jahr 1980 auf eine Invasion durch eine westliche Armee vor, er ist seit langem an der Spitze der Feindesliste der USA und mit Sanktionen belegt. Keiner der beiden Kriegsverbrecher, Trump oder Netanjahu, schien die Fähigkeiten des Iran, sich gegen einen Angriffskrieg zu wehren, richtig eingeschätzt zu haben.
Unterschätzte Gegenwehr
Nachdem Iran mindestens zehn Radarstationen der USA und ihrer Verbündeten außer Gefecht gesetzt hat, die iranische Armee begonnen, weitere Raketen und Drohnen abzufeuern – selbst unter massivem Beschuss. Die US-Armee zieht mittlerweile Radar- und Waffensysteme aus anderen Erdteilen ab, um der iranischen Armee nicht völlig freie Hand lassen zu müssen, was Verbündeten wie Taiwan und Japan ernsthafte Sorgen bereitet. Alleine in den ersten 16 Tagen soll der Krieg laut einer RUSI-Studie den Angreifern 22–30 Mrd. USD gekostet haben, und das betrifft nur Munitionskosten. Einschließlich der Schäden, belaufen sich die Kosten für die Koalition auf über 150 Milliarden. Die Trump-Regierung plant, den Kongress um 200 Milliarden Dollar zur Finanzierung des andauernden Iran-Kriegs zu bitten. Um ein Vielfaches höher werden die Kosten für die sich anbahnende Weltwirtschaftskrise aufgrund der Öl- und Gaslieferengpässe sein, die laut New Statesman die Welt in ungeahntes Chaos schleudern wird. „Der Schock ist da, die Schockwellen sind auf dem Weg!“
Rassismus am Werk
Am schlimmsten sind aktuell aber die Menschen in Iran betroffen. Allein die Bomben, die auch Ali Larijani getötet haben, sollen 105 unschuldigen Zivilisten das Leben gekostet haben. Aber westliche Medien machen sich keine Mühe, das Leiden der Iraner*innen darzustellen. Wir sehen ausführliche Berichte über Menschen, die sich in israelische Luftschutzbunker flüchten. Im Iran gibt es permanent Überraschungsangriffe durch amerikanische Raketen, Bomben aus Tarnkappenbombern, und israelischen Kampfjetgeschwadern, vor denen die Zivilbevölkerung keinen Schutz findet. Aber Musliminnen und Muslime wurden hier im Westen jahrzehntelang entmenschlicht, so dass selbst den kritischsten Medien nicht mehr auffällt, welche Doppelmoral und welcher Rassismus hier am Werk ist. Antirassismus ist deshalb auch der Punkt, wo sich der Widerstand gegen Imperialismus, Zionismus und der Kampf gegen Faschismus treffen. Denn hierzulande wird mit islamfeindlichen Rassismus der Aufstieg der extremen Rechten und der FPÖ befördert.
