Sie galt als eine der gefĂ€hrlichsten Frauen der USA, Mother Jones, die legendĂ€re KĂ€mpferin fĂŒr die Emanzipation der amerikanischen Arbeiter_innen. Von den Herrschenden wurde sie fĂŒr ihren Aktivismus gefĂŒrchtet.
Mary Harris Jones kam in den 1830er-Jahren in Cork in Irland zur Welt und reiste schon als kleines MÀdchen mit ihrer Familie in die Vereinigten Staaten, wo sie spÀter ihren Mann heiratete und vier Kinder zur Welt brachte. Bei einer Gelbfieberepidemie in Memphis, Tennessee kamen all ihre Kinder und ihr Ehemann ums Leben. Alleine machte sie sich auf den Weg nach Chicago, um dort als Schneiderin zu arbeiten.
In den Villen am See nĂ€hte sie Kleider fĂŒr die Reichen und gleichzeitig erlebte sie die bittere Armut in der Stadt. Die Ungerechtigkeit, die so dort tagtĂ€glich zu sehen bekam und auch am eigenen Leib erfuhr, prĂ€gte sie und ihr gesamtes weiteres Leben entscheidend. Nachdem Jones bei einem GroĂbrand in Chicago alles verlor, wandte sie sich an die Knights of Labor â eine bedeutende amerikanische Arbeiter_innenorganisation â und ihr Leben als KĂ€mpferin fĂŒr die Rechte der Arbeiter_innenklasse begann.
Entstehung von âMother Jonesâ
Mother Jones war in der Organisation der United Mine Workers tĂ€tig, war MitgrĂŒnderin der Industrial Workers of the World und spĂ€ter der Socialist Party of America. Wo auch immer eine Streikbewegung im Gang war, Jones war vor Ort, um Hilfe in der Organisation zu leisten, die Arbeiter_innen zu unterstĂŒtzen und zu stĂ€rken, was ihr schlieĂlich den Namen âMotherâ Jones einbrachte.
Wenn die Arbeiter_innen sie brauchten, machte sie sich auf den Weg. Patrouillierten Soldaten auf den BrĂŒcken, dann watete sie auch im Winter durch die eisigen FlĂŒsse. Wurden ZĂŒge kontrolliert, dann schmuggelte die Belegschaft sie daran vorbei, damit Mother Jones die streikenden Arbeiter_innen erreichen konnte. In der Bewegung der Minenarbeiter bildete sie Frauenarmeen, welche ausgestattet mit Besen und AbwaschschĂŒsseln die Streikbrecher verjagten. âGod! Itâs the old mother with her wild women!â, klagten die Minenbesitzer, wenn sie es mit ihr zu tun bekamen.
Unbeirrbarer Kampfgeist
Ăber 60 Jahre lang war Mother Jones an Streiks im gesamten Land beteiligt. Sie fĂŒhrte einige Streiks der Minenarbeiter, der Bahnarbeiter, der Arbeiterinnen in den Textilfabriken und Brauereien erfolgreich an. Die Herrschenden erkannten die Kraft und Gefahr ihrer radikalen FĂŒhrung und versuchten diese mit allen Mitteln zu verhindern. So wurde Mother Jones bei praktisch jedem Streik festgenommen und mehrmals zu Haftstrafen verurteilt.

Entgegen der Hoffnungen der Eliten, schmĂ€lerte das ihren Kampfgeist aber keineswegs, ihre Ăberzeugungen wurden dadurch nur noch stĂ€rker. Wenn sie das GefĂ€ngnis verlies, ging sie prompt wieder an die Vorbereitungen fĂŒr die nĂ€chsten Streikaktionen, welche sie dann wieder hinter Gittern brachten. 1912 wurde sie im Alter von 82 Jahren das letzte Mal fĂŒr ihren Aktivismus â damals in einem Streik von Minenarbeitern â festgenommen und zu 20 Jahren Haft verurteilt. In ganz Amerika kam es zu AufstĂ€nden unter Arbeiter_innen, welche die Freilassung von Mother Jones forderten. Die Proteste zeigten Wirkung und die Regierung von West Virginia sah sich gezwungen, Jones aus der Haft zu entlassen.
Gegnerin des Staats
Neben ihrem Kampf fĂŒr die Rechte der Arbeiter_innen war sie eine Gegnerin des bĂŒrgerlichen Feminismus. So trat sie bei einem Treffen der Suffragetten in New York vor die versammelten Frauen und sagte: âMan braucht kein Stimmrecht, um Krach zu schlagen. Man braucht Ăberzeugungen und eine Stimme!â Nie hatte sie Illusionen in den Staat und seine Machtinstrumente. Im Kontrast dazu verstand ihre Zeitgenossin Rosa Luxemburg, dass man im Kampf fĂŒr das allgemeine Wahlrecht eine Massenbewegung aufbauen konnte, die das Bewusstsein der Massen heben wĂŒrde.
Mother Jones nahm 1919 mit fast 90 Jahren an ihrem letzten Streik teil, dem groĂen Stahlstreik â und verstarb mit 100 Jahren. Bis zu ihrem Tod war sie politisch aktiv. Sie wurde am Minersâ Cemetery in Mount Olive in Illinois beigesetzt. Bis heute ist sie eine Ikone der Arbeiter_innenbewegung in Amerika und ein Vorbild fĂŒr junge Aktivistinnen im Kampf um eine gerechtere Welt.
S.K.
