Neonazis und rechtsextreme Parteien weltweit warten auf ihre Chance, Pogrome, ähnlich wie in Belfast, zu organisieren. Die extreme Rechte wird brutaler, angespornt durch die offizielle Politik, die sich offen auf ihre Seite stellt und, entgegen allen Rechtsnormen, ihre Forderungen umsetzt. Soeben geschehen mit dem Beschluss der rassistischen GEAS Bestimmungen im EU-Parlament.
Nachdem am 9. Juni die Facebook-Seite „The Great Province-Wide Protest N.I.“ eine Liste mit sensiblen Orten veröffentlicht hat, wo die Rassisten Migranten terrorisieren konnten, strömten Hunderte maskierte Männer und Jungen auf die Straßen, blockierten Zufahrtsstraßen nach Belfast, zündeten Autos und Häuser an, vertrieben Menschen wegen ihrer Hautfarbe aus ihren Häusern und verübten rassistische Übergriffe.
Nazis und ihre Pläne
Und jetzt kommt der Punkt: sofort versuchten Neonazis in anderen Städten, wie Glasgow, Southampton oder Southport die Pogromstimmung zu importieren. So ticken Neonazis, sie haben ein Ziel, nämlich wie die historischen Nazis, die Gesellschaft mit ihrem Terror zu dominieren, Linke und ihre erklärten „rassischen“ Feindbilder einzuschüchtern, und mit der Rückendeckung der Polizei die Straßen zu dominieren. Während der Ausgangssperren in der Corona-Pandemie hatten wir einen kleinen Vorgeschmack davon bekommen. Neonazis marschierten an der Front von Schwurbleraufmärschen und machten bei einzelnen Gelegenheiten Jagd auf kopftuchtragende Musliminnen und Linke – alles unter freundlicher Duldung durch die Polizei.
Neonazis, eine tödliche Bedrohung
Das heißt, wir rechnen fest damit, dass auch die österreichische Neonaziszene nur auf ihre Gelegenheit wartet, um ähnliche Pogrome wie in Belfast loszutreten. Die Szene selbst ist nur klein, ihre Aufmärsche seit Corona erbärmlich, aber wir haben gesehen, wie schnell sie in der richtigen Gemengelage gefährlich groß werden können. Eine wichtige Grundlage für diese explosive Gefahr ist die Reichweite ihrer Verschwörungstheorie vom „Großen Austausch“. Die behauptet, dass die armen weißen Männer Opfer einer links-liberalen und jüdischen Verschwörung seien und ihr angestammte Rolle als Patriarchen verloren haben. Linke und Liberale würden muslimische Zuwanderer und Frauenrechte, Homosexuelle und trans* Personen fördern. Sie, die armen weißen heterosexuellen Männer, müssen dabei zusehen, wie sich eine unnatürliche Gesellschaftsordnung durchsetzt, weshalb die Geburtenrate der weißen Europäer sinkt, während sie von kinderreichen Zuwanderern überrollt werden.
Belfast hat wenige Tage nach den Pogromen die größte antirassistische
Mobilisierung erlebt. Diese wurde von einem Bündnis organisiert, das seit Jahren antifaschistische Arbeit leistet.
Dieses Bild ist so absurd, dass man nicht glauben möchte, wie weit es verbreitet und wie wirkmächtig es in rechten Kreisen ist. Die Neonazibewegung gedeiht nicht in Isolation, sondern in einem internationalen Klima von Hass auf Migranten, das auch vom mächtigsten Mann und vom reichsten Mann der Welt aktiv angeheizt wird. Beim richtigen Anlass können die Neonazis damit Tausende mobilisieren, von welchen manche aus ihrer Opferrolle heraus durchaus zu „Rachemorden“ getrieben werden können, wie die zahlreichen Terrorakte von Rechtsextremen ja schon gezeigt haben.
Organisieren, nicht abwarten
Wie gesagt, die Neonazis sind vorbereitet, wir Antifaschist*innen müssen es auch sein. Belfast hat nur wenige Tage nach den Pogromen die größte antirassistische Mobilisierung seiner Geschichte gesehen. Sie haben damit Belfast und der ganzen Welt gezeigt, dass die Antirassist*innen die Mehrheit stellen. Die entstand aber nicht spontan, sondern wurde von United Against Racism (UAR) getragen, einem Netzwerken mit aktiven Verbindungen zu den Gewerkschaften und anderen Aktivistenkreisen. Auf Polizei und Politik dürfen wir uns nicht verlassen, deshalb organisiert euch schon heute bei uns, der antifaschistischen Linken.
Belfast hat wenige Tage nach den Pogromen die größte antirassistische Mobilisierung seiner Geschichte gesehen. Diese wurde von einem Bündniss ausgerufen das seit Jahren antifaschistische Arbeit leistet. Wir müssen jetzt die Strukturen für morgen aufbauen
Die österreichische Neonaziszene wartet auf die Gelegenheit, ähnliche Pogrome wie in Belfast loszutreten
