Über 70.000 Menschen demonstrierten am Samstag, 3. Oktober, unter dem Motto „Flüchtlinge Willkommen“ und trotzten den Plänen der Regierung, die Asylgesetze weiter zu verschärfen. Unglaubliche 150.000 nahmen anschließend am Konzert „Voices for Refugees“ teil.
Niemand unter den Organisator_innen oder unter den vielen Helfer_innen hätte mit solchen Massen gerechnet. Die Plattform für eine menschliche Asylpolitik wurde von über 120 NGOs, Gewerkschaftsfraktionen, der Wiener SPÖ, den Wiener Grünen und einer Vielzahl an Flüchtlingsinitiativen unterstützt.
Den Protesten ist es gelungen, die Bewegung unter drei zentralen Forderungen zu einen: Offene Grenzen, menschenwürdige Bedingungen in den Flüchtlingslagern und Rücktritt der verhassten Innenministerin Johanna Mikl-Leitner. „Ich habe zuvor schon für Flüchtlinge am Westbahnhof Essen und andere lebensnotwendige Sachen verteilt“, erzählte Jakob, dreizehnjähriger Schüler in Wien, der Neuen Linkswende. „Die Stimmung auf der Demo war genial!“ Die 13-jährige Schülerin Maya, die vor erst zwei Monaten aus Syrien geflohen ist, erzählte auf der Bühne in einer berührenden Rede: „Zuhause war es nicht mehr sicher, also mussten wir einfach fliehen.“
Längst fälliger Widerstand
Die Proteste waren ein unvergessliches Zusammentreffen von Flüchtlingen aus Traiskirchen und aus anderen Unterkünften, und den vielen solidarischen Helfer_innen, die in den letzten Monaten gespendet und trotz der Schikanierung durch Behörden und Regierung geholfen haben. Einer Umfrage nach haben sich 23 Prozent der Menschen in Österreich schon direkt in der Flüchtlingshilfe engagiert. Viele reisten aus den Bundesländern an. In Bregenz, Steyr und Kufstein gingen parallel Protestveranstaltungen über die Bühne.
„So viele Menschen, wie heute hier sind, das hat eine historische Bedeutung“, sagte Sänger Campino von den Toten Hosen, der mit Band auch noch am Heldenplatz spielte. „Diese Veranstaltung wird eine Strahlkraft in andere Länder haben. Wir müssen jetzt zusammenstehen oder Europa wird zerfallen.“ Dem FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache richtet er ein simples „Fuck Strache!“ aus. Viele hielten Schilder „Flüchtlinge rein, FPÖ raus!“ und riefen „Nieder mit der FPÖ!“
Nach der Demonstration ging ein großartiges Konzert mit Zucchero, den Toten Hosen und vielen anderen am Heldenplatz über die Bühne – alles organisiert von freiwilligen Helfer_innen. Musiker und Sänger Konstantin Wecker sagte, die tolle „Woge der Hilfsbereitschaft“ habe eine Tür geöffnet „für eine Revolution zum längst fälligen Widerstand.“ Insgesamt über 150.000 trotzten am 3. Oktober den Plänen der Regierung, die Grenzen wieder zu schließen. Say it loud and say it clear, refugees are welcome here – diesen Spruch kann heute schon fast jeder in Österreich.
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