Ich als Baskin werde den spanischen WM-Sieg nicht feiern!

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Am Sonntag werden Millionen Menschen den möglichen Weltmeistertitel Spaniens feiern. Ich werde meinen Fernseher ausschalten. Statt einer spanischen Flagge wird an meinem Balkon die Ikurriña hängen. Statt eines Trikots der spanischen Nationalmannschaft werde ich das baskische Trikot tragen. Damit folge ich dem Aufruf der baskischen Jugendorganisation Ernai, die dazu aufgerufen hat, am Finaltag ein sichtbares Zeichen für die baskische Nation und gegen den spanischen Nationalismus zu setzen.

Für mich steht die spanische Nationalmannschaft nicht nur für Fußball. Sie ist auch ein Symbol eines unterdrückerischen Staates, der die Existenz der baskischen Nation bis heute nicht anerkennt. Das baskische Volk lebt seit Jahrhunderten zwischen zwei Staaten – Spanien und Frankreich. Beide haben in unterschiedlichen Epochen versucht, die baskische Sprache, Kultur und politische Selbstbestimmung einzuschränken. Diese historische Erfahrung prägt bis heute viele Baskinnen und Basken.

Besonders besorgniserregend ist für mich der Aufstieg der extremen Rechten. Die Partei Vox erhielt bei der spanischen Parlamentswahl 2023 mehr als 3 Millionen Stimmen und 12,4 Prozent der Stimmen. Sie fordert die Abschaffung der Autonomien, lehnt das Selbstbestimmungsrecht der Basken und Katalanen ab und vertritt einen aggressiven spanischen Zentralismus und Nationalismus. Wer glaubt, dies sei nur eine Randerscheinung, verkennt die politische Realität. Für viele Minderheiten stellt diese Entwicklung eine ernsthafte Bedrohung dar.

Besonders widersprüchlich erscheint mir jedoch die internationale Wahrnehmung. Die spanische Bevölkerung gilt mehrheitlich als solidarisch mit Palästina und viele sehen den Zionismus als große Bedrohung, sowie sehen den israelischen Staat als illegal an. Ich teile diese Meinung und deshalb respektiere ich diesen Standpunkt. Gleichzeitig verstehe ich nicht, warum dieselben Maßstäbe beim Baskenland oft nicht gelten. Bis heute wird dem baskischen Volk das Recht auf nationale Anerkennung, Selbstbestimmung und Unabhängigkeit abgesprochen. Deshalb empfinde ich es als zugleich nachvollziehbar und besorgniserregend, dass heute viele Menschen weltweit, die sich mit Palästina solidarisieren, ausgerechnet Spanien feiern. Für mich passt das nicht zusammen.

Und noch etwas: Ohne die Völker dieser Welt gäbe es keine Weltmeisterschaft. Eine Weltmeisterschaft lebt von der Vielfalt der Nationen und Kulturen. Umso widersprüchlicher erscheint es mir, wenn Völker wie die Basken, die über eine eigene Sprache, Kultur und nationale Identität verfügen, keine Möglichkeit haben, mit einer offiziell anerkannten Nationalmannschaft an solchen Turnieren teilzunehmen.

Deshalb würde ich den spanischen Titel nicht feiern. Nicht aus Ablehnung gegenüber den Spielern, sondern weil ich mich als Baskin verstehe und weil ich überzeugt bin, dass jede Nation das Recht haben sollte, ihre Identität frei zu leben – ohne Angst vor Ausgrenzung, Zentralismus, Unterdrückung oder politischem Druck.

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