Sylvia Pankhurst

Sylvia Pankhurst war eine beeindruckende revolutionäre Sozialistin, die sowohl an der Front der Suffragettenbewegung für das Wahlrecht der Frauen, als auch in der Friedensbewegung gegen den Ersten Weltkrieg kämpfte. Sie war eine der wenigen, die Imperialismus als Ursache für den Ersten Weltkrieg benannte und Widerstand gegen die Ausbeutung Afrikas durch britische Kolonialmächte aufbaute.
28. Oktober 2015 |

Sylvia wurde im Mai 1882 als eine von drei Töchtern von Emmeline und Richard Pankhurst, Mitglieder der Labor Party, in Manchester, England geboren. Ihrer Mutter Emmeline gründete im Jahr 1903 die „Women Political and Social Union“ (WPSU, Soziale und politische Frauenvereinigung), die unter anderem als die „Suffragetten“ bezeichnet wurden. Die Suffragettenbewegung kämpfte mit den Mitteln des passiven Widerstands, des Hungerstreiks und mit Massendemonstrationen für ein allgemeines Frauenwahlrecht. Alle drei von Emmelines Töchtern engagierten sich jahrzehntelang als Suffragetten in der WPSU.

Klassenunterschied

Sylvia Pankhurst protestiert gegen die Kolonialpolitik Englands gegenüber Indien am Trafalger Square in London 1932. (c) commons, Colorierung: Neue Linkswende
Sylvia Pankhurst protestiert gegen die Kolonialpolitik Englands gegenüber Indien am Trafalger Square in London 1932 © Commons, Colorierung: Neue Linkswende

Innerhalb der Bewegung gab es heftige Debatten über die politische Stoßrichtung und die unterschiedlichen, teilweise militanten Herangehensweisen für das Erkämpfen von Frauenrechten. Diese Spaltung entwickelte sich entlang der Klassenunterschiede der Frauen, ausgelöst dadurch, dass bürgerliche Frauen ausschließlich für das Frauenwahlrecht kämpften, anders als die Frauen der Arbeiter_innenklasse, die auch für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gingen.

Frauen der Bourgeoisie hatten kein Interesse daran, den Status Quo der Gesellschaft über den Haufen zu werfen, weil sie sonst ihren im Vergleich zur Arbeiter_innenklasse privilegierten Status verloren hätten. Dieser Klassenunterschied löste bei den Pankhursts Spannungen aus, da sich Sylvia, anders als ihre restliche Familie, mit den proletarischen Frauen identifizierte.

Imperialismus

Als sich die WPSU von einem sozialistischen Standpunkt abwendete und den Ersten Weltkrieg unterstützte, brach Sylvia 1914 mit der Organisation und gleichzeitig mit ihrer Familie. Sie wandte sich der Kommunistischen Partei zu und gründete die Wochenzeitung „The Women’s Dreadnought“, die später zu „The Worker’s Dreadnought“ wurde. Vielen Frauen der Arbeiter_innenbewegung, darunter Sylvia Pankhurst, war bewusst, dass der Krieg aus reiner Profitgier gefochten wurde, sie nahmen einen anti-imperialistischen Standpunkt ein.

In den Jahren zwischen 1912 und 1920 rief Sylvia die „East London Federation of Women of Suffragettes“ (Ost-Londoner Suffragetten) ins Leben, deren Name sich über die Jahre hinweg der politischen Einstellung entsprechend in „The Worker’s Socialist Federation“ (Sozialistischer Arbeiter_innenverband) änderte.

Vielen Frauen der Arbeiter_innenbewegung, darunter Sylvia Pankhurst, war bewusst, dass der Krieg aus reiner Profitgier gefochten wurde.

Katherine Connelly beschreibt in ihrer Biografie über Pankhurst zwei Hauptgründe für Sylvias Opposition zum Krieg: „Ihr ethischer Sozialismus, der von Keir Hardie (einer der Gründer der Labor Party, Anm. der Redaktion) repräsentiert wurde und noch mehr ihr wissenschaftlicher Sozialismus, der den Krieg als widersprüchlich zu den Interessen der Mehrheit der Menschen sah und ökonomische Bedingungen, welche die Ungleichheiten zwischen den Menschen intensivierte.“

Doppelleben einer Aktivistin

Politik war ein wichtiger Faktor in jedem einzelnen Aspekt von Sylvias Leben. Als Jugendliche besuchte sie eine Kunstschule und konnte aufgrund ihres künstlerischen Talents in Venedig studieren. Es wurde zu ihrer Leidenschaft, proletarische Frauen an ihren Arbeitsplätzen zu porträtieren.

Außerhalb ihrer schulischen Aktivitäten baute Sylvia verschiedenste Widerstandsbewegungen auf und wurde mehrere Male festgenommen. Aufgrund von Hungerstreiks musste sie sich dem grausamen Verfahren der Zwangsernährung unterziehen. Während des Kriegs beschäftigte sich Sylvia mit Karl Marx und war leidenschaftliche Unterstützerin der Russischen Revolution, die weiterhin ihr politisches Denken prägte.

Solidarität mit Äthiopien

Sylvia beschäftigte sich nicht nur mit Frauen- und Arbeiter_innenrechten, sondern auch mit den fatalen Auswirkungen der Kolonialisierung des Südens durch imperialistische Großmächte. Als italienische Truppen Äthiopien besetzten, benannte Sylvia ihre Zeitung 1936 für kurze Zeit in „The New Times and Ethiopia News“ um, in der sie regelmäßig Neuigkeiten aus Äthiopien veröffentlichte und Geld für das erste Lehrkrankenhaus in Äthiopien sammelte.

Eleanor Marx

Eleanor Marx

In den letzten vier Jahren ihres Lebens zog Sylvia mit ihrem Sohn Richard Pankhurst nach Äthiopien und gründete die Monatszeitschrift „The Ethiopia Observer“, in der sie über äthiopische Kunst und Kultur schrieb. Bis zum Ende ihres 78-jährigen Lebens blieb Sylvia Pankhurst politisch aktiv und starb 1960 in Addis Abeba.

Der Verfasser/die Verfasserin hat den Artikel mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt.